Buchvorstellung: Der Tod des Zwangsarbeiters Andrzej Szablewski – eine Dokumentation


DPG Hamburg e.V.

Hartwig Zillmer                                                                                                                            Hamburg, Januar 2017

 

 

Der Tod des Zwangsarbeiters Andrzej Szablewski – eine Dokumentation

 

Vor 75 Jahren – am 13. März 1942 im Alter von 29 Jahren – wurde der polnische Zwangsarbeiter Andrzej Szablewski in Hamburg-Poppenbüttel hingerichtet.

Er traf 1940 in Deutschland ein und kam nicht freiwillig. Polen war überfallen worden, der 2. Weltkrieg wütete und die deutsche Kriegswirtschaft brauchte ihn, weil die Arbeiter und Bauern  an der Front standen. Er kam auf das Gut Hohenbuchen in Hamburg-Poppenbüttel. Dort begegnete er Astrid Lüdemann. Diese Begegnung hatte für beide grausame Konsequenzen:  Die junge verheiratete, deutsche Erntehelferin und Mutter eines kleinen Jungen musste sich den Avancen des aufdringlichen NSDAP-Gutsverwalters Grimm erwehren. Der ‚verschmähte‘ Deutsche rächte sich, indem er der jungen Frau eine Affäre mit dem ebenfalls (in Polen) verheirateten Zwangsarbeiter anhängte. Beide wurden denunziert und verurteilt.

Andrzej Szablewski wurde für einige Zeit im Fuhlsbütteler Konzentrationslager („Kolafu“) eingesperrt und völlig unschuldig auf dem Gut Hohenbuchen in Hamburg-Poppenbüttel im erzwungenen Beisein von etwa 200 Zwangsarbeiter/innen erhängt.

Hildegard kam für drei Jahre in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Sie überlebte und starb 2007.

Wie so oft sind die Täter noch stolz auf ihre Tat, erfüllten sie doch – wie sie es nannten – nur ihre Pflicht als Deutsche. Als der Krieg zu Ende und verloren ist, schlagen sich viele Täter in die Büsche und kommen ungeschoren davon.

Anders im Fall Szablewski: Es gibt einen Prozess, den berühmten Curio-Haus-Prozess der englischen Besatzungsmacht, ohne den wir von dem Mord nichts wüssten, der den Tätern ein Gesicht gibt und der uns offenbart, wie leicht es war, einen missliebigen Menschen umzubringen, geprägt von einem „normalen Hass“ gegenüber Polen und allem „Nicht-Arisch-Deutschem“.  Die rass(ist)ischen Merkmale bestimmten über Leben und Tod.

 

60 Jahre später bringt Dr. Andreas Seeger, Historiker in Hamburg, in Erinnerung, wohin eine Gesellschaft gerät, die sich der Menschenverachtung und Gleichgültigkeit gegenüber den Nöten des Mitmenschen verschreibt: In mühevoller und beeindruckender Recherche veröffentlicht er  eine Dokumentation zum Leben, Leiden und dem Tod dieses Zwangsarbeiters, stellvertretend für ca. 1,4 Mio. Zwangsarbeiter/innen im Reich, aber auch über die Entwicklung nach Kriegsende: Die Gerichtsverfahren, die Urteile in den 40er-Jahren,   der Weg des Erinnerns und Gedenkens nach dem Jahre 2000.

Die DPG Hamburg hat mit dem Autor die Neuauflage (was ist seit 2003 bis heute geschehen..) initiiert, der Donat-Verlag in Bremen hat das Lektorat übernommen und den Druck veranlasst.

Die Finanzierung konnte mit Eigenmitteln der DPG und mit Unterstützung der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur und dem Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme e.V. sicher gestellt werden.

Wir wünschen uns sehr, dass die Mitglieder unserer DPG und auch anderer Gesellschaften dieses Büchlein für den Preis von 12 € bei uns direkt erwerben. (s. u. Auch im Buchhandel erhältlich)

Auch mehrere Exemplare, denn es lässt sich wunderbar verschenken.

 

Dieses Buch ist keine angenehme, aber notwendige Lektüre. Wer da meint, es sei längst Zeit, zur Tagesordnung überzugehen, der sei durch die Lektüre daran erinnert, dass, wer so oder ähnlich denkt und handelt, den Schatten der Nationalsozialisten eher verlängert. „Und wer so vorgeht, darf sich nicht wundern, wenn seine Nachfahren von der Geschichte eingeholt werden.“ so der ehem. Leiter des Bezirksamtes Wandsbek, Gerhard Fuchs.

Angesichts aktueller Tendenzen in unserer Gesellschaft, in der es gegen Gewaltverherrlichung in vielen Medien und der Verrohung der Sprache gegenüber Flüchtlingen und Neu-Ankömmlingen in Deutschland und Teilen Europas offenbar kein Kraut gewachsen ist und noch zu wenig Widerstand ergeht, gewinnt diese Dokumentation eine (fast) beunruhigende Aktualität.

Zur Stolperstein-Einweihung am 16.10.2016 konnten wir – gemeinsam mit dem Vertreter des polnischen Generalkonsulats,  dem Fraktionsvorsitzenden der  SPD-Bürgerschaft und vielen Anwesenden – die frisch gedruckte Neuauflage an alle anwesenden Angehörige der Familie Szablewski und der Familie Lüdemann überreichen.

 

 

Bestellungen per E-Mail unter:  H.Zil@dpg.hamburg

Hartwig Zillmer

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